Sieht man Männer bekleidet mit einem knielangen karierten Rock, gerät man oft ins Schmunzeln. Doch die meisten wissen eigentlich gar nicht, was sich hinter dieser Tradition verbirgt. Der Schottenrock oder auch „Kilt“ genannt ist eine alte schottische Tradition aus dem 18. Jahrhundert. Erstmals wurde der Kilt von Fabrikarbeitern getragen. 1725 entwickelte der englische Fabrikbesitzer Thomas Rawlinson das Kleidungsstück um seine Arbeiter bei der Arbeit zu schützen.
Der große Kilt (belted plaid) war Decke und Kleidungsstück in einem. In heißen Sommern legte der Hochlandschotte ihn ab und verknotete das lange Hemd, das er trug, zwischen den Beinen oder aber nahm einen wesentlich dünner gewebten Plaid. Wer es sich leisten konnte, trug die für das Hochland typischen langen Hosen, die trews, während die Lowlandschotten einfarbige Kniehosen und weiße Strümpfe bevorzugten.
Nach der Schlacht bei Culloden 1746 wurde das Tragen des Kilts verboten. Das Verbot wurde schon 1782 wieder aufgehoben, aber in „Mode“ kamen Kilts erst wieder im 19. Jahrhundert.
Der Kilt erlebte eine große Renaissance, als der britische König Georg IV. 1822 Schottland besuchte und sich im Kilt präsentierte (nebst fleischfarbener Strumpfhose). In diese Zeit fällt auch die Erfindung des Mythos von „Clan-Tartan“. Ein Tartan ist das typische Karomuster eines Kilts. Viele Tartans tragen den Namen des Clans, dem sie zugeordnet sind
Auch wenn die feste Zuordnung von Tartans zu Clans nicht haltbar ist, tragen „echte“ Schotten auch heute gerne „ihren“ Tartan.
Nach wie vor gibt es neutrale Muster, die statt den Namen von Clans die von Regionen tragen. Es wird auch nicht kontrolliert, ob der Käufer eines Kilts „berechtigt“ ist, den betreffenden Tartan zu tragen, und als Ausländer kann man unter allen Tartans wählen, die der Kiltmacher im Angebot hat. Tartanwebereien stellen auf Wunsch beliebige, auch neu erfundene Tartans her.
Heutzutage findet man noch etliche Träger des Schottenrocks. Anhänger der schottischen Fußball- oder Rugby-Nationalmannschaften treten gerne im Kilt auf. Die Kilts gibt es für verschiedene Anlässe. So gibt es die leichteren für den „casual use“(Tagesgebrauch) und die hochwertigen, traditionellen (full weight worsted) für festliche Aktivitäten. Im Internet gibt es viele Shops, wo Mann oder auch Frau, Kilts erwerben kann.
Ob man den Kilt mit oder ohne Unterwäsche trägt, ist dem persönlichen Geschmack überlassen. Nur beim schottischen Militär gab es feste Regeln, allerdings ist diese Frage heute jedem Soldaten selbst überlassen. Der eigentliche Grund, warum ursprünglich unter dem Kilt nichts getragen wurde, war, dass vor dem 19. Jahrhundert generell keine Unterwäsche getragen wurde.
Mehrmals im Jahr finden nicht nur in Scottland, sondern beispielsweise auch in Deutschland die sogenannten Highland Games statt. Hier zeigen die Männer, bekleidet mit Schottenröcken, ihre Stärke und Kraft bei verschiedenen sportlichen Disziplinen.
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